Sankt Sebastianus

Schützenverein Grafenberg 1858 e.V.

 Ehrensenator Theo Daller

Prolog

Jahr für Jahr feiert der St. Seb. Schützenverein Düsseldorf-Grafenberg 1858 e.V. auf dem Staufenplatz sein Schützen- und Volksfest in Grafenberg. Das nächste große Ereignis findet im Jahr 2008 statt, der Verein wird dann sein 150jähriges Bestehen feiern.

Leider gibt es aus den Zeiten vor dem 2. Weltkrieg kaum Aufzeichnungen über unseren Schützenverein. Auch danach sind die Aufzeichnungen nur bruchstückhaft und leider bei weitem nicht vollständig erhalten.

In den Jahren nach 1945 wurde der Verein in der Zeit von 1948 bis 1964 von Jean Joyeux und von 1964 bis 1968 von Hans–Ludwig Lonsdorfer geleitet. Seit 1968 ist Heinz Kirchner der 1. Chef des Vereins und wurde seit dieser Zeit immer wieder von den Kameraden einstimmig wiedergewählt.

Wir haben den schönsten Schützenplatz von Düsseldorf – unserer Meinung nach. Auf dem Staufenplatz gelegen sitzen wir im Biergarten am Schießstand gemütlich unter Bäumen, die Schutz vor der Sonne bieten, aber auch etwas vom Regen abhalten, sollten wir ausnahmsweise einmal schlechtes Wetter haben. Auch das Zelt ist teilweise von Bäumen beschattet, so dass es darin auch bei großer Hitze gut auszuhalten ist.Unser Schützenverein hat sich natürlich im Wandel der Zeit Veränderungen unterworfen, wurde vom Ablauf, in den Satzungen und vielen
anderen Dingen modernisiert.

schutzpatr

St. Sebastianus

Aber einige Traditionen werden immer noch intensiv gepflegt: Kameradschaft, Freundschaft und Schießsport, die Ausrichtung des Patronatsfestes, die jährliche Totenehrung am Ehrenmal sowie das Feiern des Schützenfestes sind da nur einige Schlagworte. Mittlerweise auch schon Tradition geworden ist der jährliche vorweihnachtliche Besuch des Schützenchefs bei den Witwen unserer Vereinskameraden und einiger bedürftiger Bewohner unseres Ortsteils, wobei hier kleine Präsente mit nahrhaftem Inhalt überreicht werden. Auch schon Tradition: Das Schmücken der Straßen zum Schützenfest und des Weihnachtsbaumes in der Adventszeit durch die Stabsoffiziere.        

Regimentsvorstand 2003

Regimentsvorstand mit Königen und Ehrenmitgliedern
im Jahre 2003

Der Verein besteht heute aus folgenden 11 Gesellschaften und Corps:

•Gesellschaft Jäger

•Spielmannszug Grün-Weiß
•Gesellschaft Jan Wellem
•Gesellschaft St. Hubertus
•Reiter-Corps Graf Adolf von Berg
•Amazonen-Corps

•Gesellschaft Schill’sche Husaren
•Alte Garde des Fanfaren Corps Düsseldorfer Radschläger
•Marinekameradschaft Gorch Fock

•Reserve 1925
•Grenadiere 1875

1858

Königsorden 1858

Der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf–Grafenberg e.V. wurde 1858 im damaligen Ortsteil Grafenberg-Ludenberg gegründet. Es besteht jedoch die Möglichkeit, das der Verein noch älter ist denn leider sind diese alten Unterlagen und die Gründungsurkunde nicht mehr vorhanden. Es gab nur eine Gesellschaft, die spätere Grenadier-Kompanie.

Der bis heute erhaltene Nachweis über das Bestehen des Vereines ist ein Königsorden aus dem Jahre 1858. Dieser befindet sich beim heutigen Königssilber des Vereins.

1895

Im 19. Jahrhundert war der Ortsteil Grafenberg noch sehr klein und hatte nur eine geringe Einwohnerzahl. Durch große Industriewerke, die sich hier ansiedelten, vergrößerte sich unser Ortsteil stetig. Im Jahre 1895 bildete sich dann die 2. Kompanie, die sich später Jäger–Kompanie und heute Gesellschaft „ Jäger 1895“ nennt. Die zweite Kompanie hatte 1926 schon ein eigenes Tambourcorps, unter der Leitung von Adolf Schulze.

Grafenberg wurde Jahrhunderte lang in kirchlicher Beziehung von der Pfarrkirche in Gerresheim betreut und so zogen auch die Grafenberger Schützen am Schützenfestsonntag zur Stiftskirche St. Margaretha nach Gerresheim zur Messe. Zurück ging es dann mit klingendem Spiel wieder nach Grafenberg, wo mit Böllerschüssen, sogenannte “Katzenköpp”, das Regiment empfangen wurde. Die zweite Kompanie hatte auch ein eigenes Tambourcorps.

 

1899

Ab dem Jahr 1899 setzte eine Ruhepause im Vereinsleben ein. Es wurden zwar noch verschiedentlich Schützenfeste zur Volksbelustigung abgehalten, aber Könige wurden keine mehr ausgeschossen.

In diesem Jahr wurde der Wilhelm Breuer, Hauptmann der Jäger-Kompanie, zum Chef des Vereins gewählt. Hauptmann der Jäger Kompanie war von 1899 bis 1901 Franz Breuer, bis 1903 Jakob Breuer. Ab 1903 sind keine Unterlagen mehr vorhanden und so scheint auch hier die Vereinstätigkeit zur Ruhe gekommen zu sein.

 

1925

Im Jahre 1925 machte sich in der Grafenberger Bürgerschaft das Bestreben bemerkbar, den ruhenden St. Sebastianus Schützenverein Grafenberg wieder zu neuem Leben zu erwecken. Zu diesem Zwecke luden einige von der Schützensache begeisterte Herren zu einer Vorbesprechung ein. Diese Vorbesprechung fand am 07.08.1925 in der Gaststätte Marx statt, in der Hauptsache wurden die alten Eigentumsstücke wie Königssilber, Mitglieds– und Protokollbücher usw. herbei geschafft.

Bericht über die Versammlung vom 15.08 Seite 1

Am 15.08.1925 erfolgte dann die Wiederauflebung des Vereins. Bei der ersten Versammlung zählte man bereits 40 aktive Mitglieder. Der Leiter des Vereins wurde zunächst der frühere Vorsitzende, der Schützenkamerad Heinrich Kremer, der aber bei der folgenden Wahl des provisorischen Vorstandes den Vorsitz an den Kameraden Wilhelm Högen abtrat. Um die Wiederbelebung des Vereins waren die Kameraden Wilhelm Högen, H.Lethen, Ed.Knors, W. Breuer, H. Birker, Joh. Schlebusch und Josef Paffenholz besonders bemüht.

Eingeladen hatte man auch einige Vorstandsmitglieder benachbarter Schützenvereine, um von deren Erfahrungen zu profitieren. Schützenhauptmann Overkamp aus Flingern hielt einen Vortrag in Sachen Mitgliederwerbung. Dabei schnitt er auch die religiöse Frage an. Es setzte sofort eine erregte Debatte ein, bis man sich folgendermaßen einig wurde (Auszug aus dem Protokoll):

„Wir sind kein religiöser Verein, sondern ein Bürgerverein. Wir fragen nicht in welche Kirche gehst Du, sondern bist Du ein unbescholtener Mann.“ Wer mit uns wirken will, Bürger- und Ordnungssinn zu hegen und zu pflegen,

 der soll uns als Schützenbruder willkommen sein.

Zu den beiden Stammkompanien, der 1. Grenadierkompanie unter der Leitung von Kamerad Heinrich Kremer und Jägerkompanie unter Leitung des Kameraden Johann Schlebusch, gesellte sich im Dezember 1925 eine weitere Kompanie, die Gesellschaft Reserve unter Leitung des Kameraden Hubert Biesemann.

1926

Die Mitgliederzahl stieg in kurzer Zeit auf 118 Kameraden. Im Januar 1926 marschierte das Regiment nach der Neubelebung zum Titularfest wieder durch Grafenberg zur eigenen Pfarre St. Ursula unter Führung des gewählten Oberst Wilhelm Breuer, unterstützt von den Adjutanten Christian Kraus und Mathias Mauritz.

Im März 1926 kam es dann zur Erstellung einer Satzung und Wahl eines Vorstandes. Zum Vorsitzenden wurde Willi Högen gewählt. Die Satzung wurde genehmigt und als St. Sebastianus Schützenverein Grafenberg in das Vereinsregister eingetragen.

Jäger-Tambourcorps 1926

Jäger - Tambourcorps 1926

Neben den drei vorhandenen Kompanien formierten sich noch weitere Kompanien, im Juli 1926 ein Tambour – Corps, das zur Jäger- Kompanie gehörte, im August 1926 die Jan Wellem Kompanie unter derLeitung des Kameraden H. Gormann und im November 1926 das Reitercorps unter der Leitung des Kameraden Rittmeister von Hornbusch.

1927

Vorstand mit Pagen zum Schützenfest 1927

Reg.- Vorstand mit Pagen Schützenfest 1927

10 gestandene Männer gründete die Gesellschaft St. Hubertus und schlossen sich dem Schützenverein in Grafenberg an. Vorsitzender war der Kamerad Fr. Müller.

In diesem Jahr besuchte der Verein mit einer großen Abordnung den Nachbarverein Gerresheim zum 500-jährigen Jubiläum.

1928 - 1929

Erwähnenswert ist auch, dass der Verein seit dem 23.01.1929 beim Amtsgericht als eingetragener Verein registriert ist. Einige Jahre war der Bürgerverein Grafenberg dem Schützenverein angeschlossen und man nannte sich während dieser Zeit St. Seb. Schützenverein und Bürgerverein Düsseldorf–Grafenberg.

Gesellschaftsfoto 1929

Gesellschaft St. Hubertus 1929

Gesellschaft Jan Wellem 1928

Gesellschaft Jan Wellem 1928

Regimentsbefehl 1929

Zu Ehrenmitgliedern wurden 1928 Franz Breuer, Julius Edelhagen, Wilhelm Fenger, Peter Loosen, Otto Marx und Johann Schwarz ernannt.

1930 - 1933

1931 wurde Karl Görtz Chef. Am 10.09.1933 fand eine Generalversammlung statt. Eine anstehende Vorstandswahl fand nicht statt, da der anwesende Ortsgruppenleiter der NSDAP, Herr Kuhn, vorher das Wort ergriff. Auch ein Schützenverein soll im Sinne der nationalen Revolution geführt werden und er setzte somit Josef Daprich kommissarisch zum Führer und 1. Chef ein. Der ganze weitere Vorstand wurde ebenso bestimmt. Der Druck auf die Schützenkameraden war so groß, dass keine Einwände erfolgten.

Abnahme der Parade mit Ehrengäste und Pastor Johannes Keuche 1930

Abnahme der Parade 1930

Zu Ehrenmitgliedern wurden 1931 die Herren Kremer, Birker und Kern ernannt.

1934

Ab 1934 war Christian Kraus Chef des Schützenvereins.

Zum Titularfest trat erstmals die Jungschützen-Kompanie unter Leitung von Hauptmann Josef Bernard II an. Und so wurde zum Schützenfest erstmals auch ein Jungschützenkönig ausgeschossen. Die Platte holte Josef Sombrowski, Regimentskönig wurde Heinrich Schlebusch.

Die Grenadierkompanie feierte 70-jähriges Jubiläum. Jubiläumskönig wurde Josef Birken. Ein Brillantfeuerwerk fand im Garten des Restaurants Jägerhaus statt. Zum neuen Ehrenmitglied wurde Dr. Wagenführ.

1936

Auf Druck der NSDAP sollte der Vereinsname geändert werden. St. Sebastian sollte entfallen. Eine Abstimmung brachte 13 Stimmen dafür und 62 Stimmen dagegen. Der Name wurde nicht geändert. Ab 1936 war wiederum Karl Görtz Schützenchef.

1937

Der Druck durch die NSDAP auf den Verein bezüglich einer Namensänderung und der kirchlichen Inhalte wurde immer größer. Anwesend war auf der Generalversam-   mlung im Februar der Ortsgruppenleiter Herr Behneke. Die dauernden Einschüchterungen hatten diesmal Erfolg, die Namensänderung wurde beschlossen und ins Vereins - register eingetragen. Noch am gleichen Tage teilte in dieser Versammlung der Vorstand des Reitercorps die vollzogene Auflösung mit. Im Juni erreichte den Vorstand ein Schreiben der Grenadierkompanie, dass laut Kompaniebeschluss vom 05.06.1937 die Kompanie als ruhend gemeldet wird.

Jägerpagen 1937

Pagen der Jäger -Kompanie 1937

Totenehrung 1937

Totenehrung 1937

Gesellschaft Grenadiere 1937

1. Grenadier - Kompanie 1937

1938

Die Jan Wellem Kompanie teilte dem Vorstand mit, dass sich die Kompanie am 04.07.1938 aufgelöst habe und hiermit ruhend gemeldet wird.

1939

In den Jahren 1926 bis 1939, vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, wurde alljährlich wieder das traditionelle Schützenfest gefeiert. Im Jahre 1939 das vorerst letzte, trotz der vielen Rückschläge und Abmeldungen aus dem Verein. Die Jungschützenkompanie hatte sich auch aufgelöst, weil viele Kameraden zum Arbeitsdienst oder zum Militär eingezogen wurden. Am Festzug beteiligten sich die Brudervereine aus Gerresheim, Vennhausen sowie Kompanien aus Flingern, Derendorf und Düsseldorf. Ein Jungschützenkönig wurde aber trotzdem ausgeschos - sen, dies wurde Max Tür, Regimentskönig wurde Fritz Biesemann.

Im August fand noch einmal eine außerordentliche Versammlung statt. Einziger Punkt der Tagesordnung: Genehmigung der Satzung des Reichsbundes für Leibesübungen. Diese Satzung wurde einstimmig angenommen. Dann kam durch diesen unseligen Krieg die Tätigkeit des Vereins abermals zum Stillstand. Die Kompanien und Gesellschaften setzen sich allmählich alle in den vorläufigen Ruhestand, bis auf die Jägerkompanie, die unentwegt den ganzen Krieg hindurch Versammlungen und Zusammenkünfte abhielt.

Mitglieder des Vereins waren Mit-Initiatoren beim Bau der Luftschutzstollen, die bis zu 40 m in die Berge des Grafenberger Waldes hineingetrieben wurden.

1940 - 1948

Emblem Regiment inter