1925

 

Im Jahre 1925 machte sich in der Grafenberger Bürgerschaft das Bestreben bemerkbar, den ruhenden St. Sebastianus Schützenverein Grafenberg wieder zu neuem Leben zu erwecken. Zu diesem Zwecke luden einige von der Schützensache begeisterte Herren zu einer Vorbesprechung ein. Diese Vorbesprechung fand am 07.08.1925 in der Gaststätte Marx statt, in der Hauptsache wurden die alten Eigentumsstücke wie Königssilber, Mitglieds– und Protokollbücher usw. herbei geschafft.

 



Am 15.08.1925 erfolgte dann die Wiederauflebung des Vereins. Bei der ersten Versammlung zählte man bereits 40 aktive Mitglieder. Der Leiter des Vereins wurde zunächst der frühere Vorsitzende, der Schützenkamerad Heinrich Kremer, der aber bei der folgenden Wahl des provisorischen Vorstandes den Vorsitz an den Kameraden Wilhelm Högen abtrat. Um die Wiederbelebung des Vereins waren die Kameraden Wilhelm Högen, H.Lethen, Ed.Knors, W. Breuer, H. Birker, Joh. Schlebusch und Josef Paffenholz besonders bemüht.

 

Eingeladen hatte man auch einige Vorstandsmitglieder benachbarter Schützenvereine, um von deren Erfahrungen zu profitieren. Schützenhauptmann Overkamp aus Flingern hielt einen Vortrag in Sachen Mitgliederwerbung. Dabei schnitt er auch die religiöse Frage an. Es setzte sofort eine erregte Debatte ein, bis man sich folgendermaßen einig wurde (Auszug aus dem Protokoll):

 

„Wir sind kein religiöser Verein, sondern ein Bürgerverein. Wir fragen nicht in welche Kirche gehst Du, sondern bist Du ein unbescholtener Mann.“ Wer mit uns wirken will, Bürger- und Ordnungssinn zu hegen und zu pflegen, der soll uns als Schützenbruder willkommen sein.



 

Zu den beiden Stammkompanien, der 1. Grenadierkompanie unter der Leitung von Kamerad Heinrich Kremer und Jägerkompanie unter Leitung des Kameraden Johann Schlebusch, gesellte sich im Dezember 1925 eine weitere Kompanie, die Gesellschaft Reserve unter Leitung des Kameraden Hubert Biesemann.


1926

 

 

Die Mitgliederzahl stieg in kurzer Zeit auf 118 Kameraden. Im Januar 1926 marschierte das Regiment nach der Neubelebung zum Titularfest wieder durch Grafenberg zur eigenen Pfarre St. Ursula unter Führung des gewählten Oberst Wilhelm Breuer, unterstützt von den Adjutanten Christian Kraus und Mathias Mauritz.

 

Im März 1926 kam es dann zur Erstellung einer Satzung und Wahl eines Vorstandes. Zum Vorsitzenden wurde Willi Högen gewählt. Die Satzung wurde genehmigt und als St. Sebastianus Schützenverein Grafenberg in das Vereinsregister eingetragen.



Neben den drei vorhandenen Kompanien formierten sich noch weitere Kompanien, im Juli 1926 ein Tambour–Corps, das zur Jäger- Kompanie gehörte, im August 1926 die Jan Wellem Kompanie unter der Leitung des Kameraden H. Gormann und im November 1926 das Reitercorps unter der Leitung des Kameraden Rittmeister von Hornbusch.



1927



 

10 gestandene Männer gründete die Gesellschaft St. Hubertus und schlossen sich dem Schützenverein in Grafenberg an. Vorsitzender war der Kamerad Fr. Müller.

 

In diesem Jahr besuchte der Verein mit einer großen Abordnung den Nachbarverein Gerresheim zum 500-jährigen Jubiläum.

 



1928 - 1929



Erwähnenswert ist auch, dass der Verein seit dem 23.01.1929 beim Amtsgericht als eingetragener Verein registriert ist. Einige Jahre war der Bürgerverein Grafenberg dem Schützenverein angeschlossen und man nannte sich während dieser Zeit St. Seb. Schützenverein und Bürgerverein Düsseldorf–Grafenberg.



1930 – 1933

 



1931 wurde Karl Görtz Chef. Am 10.09.1933 fand eine Generalversammlung statt. Eine anstehende Vorstandswahl fand nicht statt, da der anwesende Ortsgruppenleiter der NSDAP, Herr Kuhn, vorher das Wort ergriff. Auch ein Schützenverein soll im Sinne der nationalen Revolution geführt werden und er setzte somit Josef Daprich kommissarisch zum Führer und 1. Chef ein. Der ganze weitere Vorstand wurde ebenso bestimmt. Der Druck auf die Schützenkameraden war so groß, dass keine Einwände erfolgten.

 

Zu Ehrenmitgliedern wurden 1931 die Herren Kremer, Birker und Kern ernannt.



1934

 

Ab 1934 war Christian Kraus Chef des Schützenvereins.

 

Zum Titularfest trat erstmals die Jungschützen-Kompanie unter Leitung von Hauptmann Josef Bernard II an. Und so wurde zum Schützenfest erstmals auch ein Jungschützenkönig ausgeschossen. Die Platte holte Josef Sombrowski, Regimentskönig wurde Heinrich Schlebusch.

 

Die Grenadierkompanie feierte 70-jähriges Jubiläum. Jubiläumskönig wurde Josef Birken. Ein Brillantfeuerwerk fand im Garten des Restaurants Jägerhaus statt. Zum neuen Ehrenmitglied wurde Dr. Wagenführ.

 

 

1936

 

Auf Druck der NSDAP sollte der Vereinsname geändert werden. St. Sebastian sollte entfallen. Eine Abstimmung brachte 13 Stimmen dafür und 62 Stimmen dagegen. Der Name wurde nicht geändert. Ab 1936 war wiederum Karl Görtz Schützenchef.

 

 

1937

 



Jägerpagen 1937

Der Druck durch die NSDAP auf den Verein bezüglich einer Namensänderung und der kirchlichen Inhalte wurde immer größer. Anwesend war auf der Generalversammlung im Februar der Ortsgruppenleiter Herr Behneke. Die dauernden Einschüchterungen hatten diesmal Erfolg, die Namensänderung wurde beschlossen und ins Vereinsregister eingetragen. Noch am gleichen Tage teilte in dieser Versammlung der Vorstand des Reitercorps die vollzogene Auflösung mit. Im Juni erreichte den Vorstand ein Schreiben der Grenadierkompanie, dass laut Kompaniebeschluss vom 05.06.1937 die Kompanie als ruhend gemeldet wird.



Bild linkszeigt die Rregimentstotenehrung 1937 - Bild rechts zeigt 1.Grenadierkompanie 1937

1938

 

Die Jan Wellem Kompanie teilte dem Vorstand mit, dass sich die Kompanie am 04.07.1938 aufgelöst habe und hiermit ruhend gemeldet wird.

 

 

1939

 

In den Jahren 1926 bis 1939, vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, wurde alljährlich wieder das traditionelle Schützenfest gefeiert. Im Jahre 1939 das vorerst letzte, trotz der vielen Rückschläge und Abmeldungen aus dem Verein. Die Jungschützenkompanie hatte sich auch aufgelöst, weil viele Kameraden zum Arbeitsdienst oder zum Militär eingezogen wurden. Am Festzug beteiligten sich die Brudervereine aus Gerresheim, Vennhausen sowie Kompanien aus Flingern, Derendorf und Düsseldorf. Ein Jungschützenkönig wurde aber trotzdem ausgeschossen, dies wurde Max Tür, Regimentskönig wurde Fritz Biesemann.

 

Im August fand noch einmal eine außerordentliche Versammlung statt. Einziger Punkt der Tagesordnung: Genehmigung der Satzung des Reichsbundes für Leibesübungen. Diese Satzung wurde einstimmig angenommen. Dann kam durch diesen unseligen Krieg die Tätigkeit des Vereins abermals zum Stillstand. Die Kompanien und Gesellschaften setzen sich allmählich alle in den vorläufigen Ruhestand, bis auf die Jägerkompanie, die unentwegt den ganzen Krieg hindurch Versammlungen und Zusammenkünfte abhielt.

 

Mitglieder des Vereins waren Mit-Initiatoren beim Bau der Luftschutzstollen, die bis zu 40 m in die Berge des Grafenberger Waldes hineingetrieben wurden.

 

 

1940 – 1948

 

Im Jahre 1940 gibt es eine letzte Eintragung in das Protokollbuch über ein Schießen zu Gunsten des Winterhilfswerkes.



Nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 bemühten sich einzelne Schützenkameraden um die Wiederaufrichtung des Vereins, doch erst im Jahre 1948 gelang es dem Hauptmann der Jägerkompanie und langjährigem 1. Chef, Kamerad Jean Joyeux, mit seinen Jägerkameraden und insbesondere auch mit der Unterstützung des Kameraden Hans Schwantge die Wiederbelebung des Vereins. Da die anderen Kompanien ruhten und auch kein Interesse zeigten, nahm Jean Joyeux vorläufig die Geschäfte des Vereins in seine Hand. Er sorgte dafür, dass die Protokollbücher und das Vereinssilber wieder herbeigeschafft wurden und übergab diese vorläufig dem Schatzmeister der Jäger-Kompanie, Kamerad Lennartz, zur Verwahrung. Christian Kraus wurde zum Ehrenchef ernannt.

 



Im Juli 1948 schafften es die Kameraden innerhalb von 4 Tagen, wieder ein Schützen– und Volksfest, wenn auch vorerst in kleinerem Rahmen, aufzuziehen. Die Grenadiere, die Jäger und eine Jungschützen-Kompanie machten mit. Am Sonntag fand ein Festzug mit Teilnahme der Brudervereine Gerresheim und Vennhausen statt. Der letzte Schützenkönig von 1938, Fritz Biesemann von der Gesellschaft Reserve zeigte sich den Grafenbergern und die Bevölkerung sah, der Schützenverein ist wieder da. Ein Schießstand konnte in der Kürze der Zeit nicht errichtet werden und so sollte der neue König mit der Armbrust ausgeschossen werden. Da die Bolzen ein Kamerad aus Flingern irrtümlich mitgenommen hatte, musste das Schießen also ausfallen. Die Pfänder und der König wurden per Los festgestellt. Die Königswürde errang der Kamerad Hans Schwantge auf diesem glücklichen Wege.



Nach den Kriegswirren 1948 nahm die Gesellschaft St. Hubertus mit den Kameraden A. Wirtz, Hermann Keller, Heinz Kirchner, Herbert Müller, Hans Beckers und Matthias Boersch wieder am Schützenwesen in Grafenberg teil. Hauptmann wurde der Mitgründer von 1927, Adolf Wirtz.

 

Übrigens war es der Schützenverein, der nach dem 2. Weltkrieg die ersten Totenehrungen und Martinszüge organisierte.



In einer Versammlung am 15.09.1948 wurde der Vorschlag gemacht, den Schützenverein und den Bürgerverein zu vereinigen, zum Wohle des Ortsteils Grafenberg. Eine Umbenennung des Vereins sollte erfolgen in St. Sebastianus Schützen- und Bürgerverein Düsseldorf-Grafenberg. Eine Ausarbeitung der Satzung musste noch vorgenommen werden.

 

So blühte das Schützenwesen allmählich aber stetig in Grafenberg wieder auf und alle Kompanien bzw. Gesellschaften machten wieder mit.



1949

 

Erstes Titularfest nach dem Krieg mit Kirchgang nach St. Ursula. Außerdem fand eine Generalversammlung mit Wahl des ersten Nachkriegsvorstandes statt. 1. Vorsitzender wurde Jean Joyeux, 2. Vorsitzender Willi Högen. Ehrenmitglieder wurden Willi Högen, Heinrich Lethen, Josef Paffenholz, Karl Görtz und L. Gottschalk.


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